Le Châble Rouge & Co.
Der steinerne Föderalismus und die Fremden im Bundeshaus.
Geschichte lesen →Steine sind schweigsam. Das bedeutet noch lange nicht, dass sie nichts zu erzählen haben. Ihre Geschichten handeln von Ozeanen, Kontinenten, Vulkanen, Palästen, Kirchen, Städten, Eitelkeiten, Katastrophen – und gelegentlich auch von vernünftigen Menschen.
Viel Vergnügen mit den Steinkugelgeschichten
– und glauben Sie den Steinen nicht alles. Sie hatten sehr lange Zeit, ihre Geschichten zurechtzulegen.
Martin Lötscher (mloetscher@geovista.ch)
Rock the Ball holt Geologie aus dem akademischen Elfenbeinturm. Die Steinkugelgeschichten wollen weniger Gesteinsnamen auswendig lernen lassen als eine neue Aufmerksamkeit erzeugen. Nach der Lektüre erscheint eine Gneisplatte, eine Marmorsäule oder ein Findling nicht mehr nur als Stein.
Wir beginnen zu fragen, woher er stammt, wie er entstanden ist, wer ihn bearbeitet hat und welche Wege er zurücklegte. Die kleine Steinkugel wird so zum Schlüssel für ungeheure Zeiträume: ein handgrosses Objekt, in dem sich Erdgeschichte und Menschheitsgeschichte begegnen.
Warum eine Kugel? Die Kugel macht die Steine gleich, sodass man ihre Unterschiede besser erkennen kann. Da alle Gesteine dieselbe geometrische Form erhalten, werden ihre Unterschiede deutlicher. Durch das Schleifen und Polieren werden alltägliche Einflüsse wie Verwitterung, Flechten und Schmutz entfernt. So treten Farbe, Gefüge, Adern, Fossilien und Mineralstrukturen besonders deutlich hervor. Die Steine werden nicht verfälscht, sondern inszeniert. Und sie besitzen keine Vorderseite. Dadurch werden sie dreidimensional lesbar.
Ihre Herstellung ist zudem selbst eine Form der Erkenntnis: Erst beim Bohren, Schleifen und Polieren zeigen sich Risse, Einschlüsse und unterschiedliche Materialeigenschaften.
Es gibt keine Garantie, dass die Arbeit gelingt. Man kann stundenlang schleifen, nur um am Ende festzustellen, dass ein feiner Haarriss die gesamte Arbeit zunichtemacht.
So wird's rund →... von verschwundenen Meeren und wandernden Kontinenten bis zu Steinbrüchen, Kathedralen, Kunstwerken und menschlichen Schicksalen.
Der steinerne Föderalismus und die Fremden im Bundeshaus.
Geschichte lesen →
Mit dem Hammer und mit dem Verstand. Oder: Erst kommt der Stein – dann kommen die Fragen.
Ich beginne gerne beim Stein. Nicht bei der geologischen Systematik und auch nicht bei einer möglichst vollständigen Erklärung der Mineralogie. Vor mir liegt zunächst ein Stein.
Dann beginnen die Fragen. Woher kommt dieser Stein? Wie ist er entstanden? Welche Kräfte haben ihn geformt? Wer hat ihn gebrochen, transportiert, bearbeitet oder verbaut? Und weshalb steht er heute ausgerechnet hier?
So führt der Weg vom Gegenstand zur Geologie, von der Geologie zur Geschichte und von dort gelegentlich ziemlich weit hinaus – zu Architektur, Technik, Religion, Handel, Kunst, Politik und menschlichen Eigenheiten. Ein Stein ist selten nur ein Stein. Wer ihm folgt, landet überraschend schnell mitten in der Weltgeschichte.
Malleo et mente ist deshalb eine kleine Umkehrung des alten geologischen Wahlspruchs Mente et malleo – «mit dem Verstand und mit dem Hammer». Bei den Steinkugelgeschichten darf der Hammer zuerst kommen. Am Anfang steht der Stein. Dann kommen die Fragen. Und mit etwas Glück wird daraus eine Geschichte, die Geologie begreifbar macht.
Nach dem Studium der Geologie, Geographie und Geschichte beschäftige ich mich in Beruf und Freizeit täglich mit Steinen.